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Das Bistum Fulda

Fastenpredigten 2020

29.03.2020

Aufgrund der Gottesdienst-Ausfälle bezüglich des Corona-Virus können Sie nun die Fastenpredigten online lesen. Diese Woche lesen Sie die Predigt von Pfarrer Stickel zum Thema "Der heilige Geist".

Zusammenwachsen – zusammen wachsen – Hl. Geist 


Zusammenwachsen. So heißt der Bistumsprozess 2030 im Bistum Fulda. Es ist ein Prozess, dessen Ziel es ist, alte Strukturen zu überprüfen und neu zu ordnen. Die Ursache ist offensichtlich: Leere Kirchenbänke - nicht nur am Werktag - auch sonntags wirken die leeren Plätze wie Wunden am Leib Christi i . Die Kirche hat heute zu kämpfen mit einem gewaltigen Imageverlust. Die Ursachen sind vielfältig: sexueller und körperlicher Missbrauch, Machtmissbrauch, veraltet anmutende Morallehre. Angesichts der Pluralität der Gesellschaft ist Kirche als ein „Sinnanbieter“ unter vielen plötzlich weniger relevant. Priestermangel, negative Finanzprognosen – auf all dies gilt es Antworten zu finden.


Die strukturelle Antwort heißt: Optimierung der Verwaltung durch z.B. Bildung größerer Einheiten. Nicht selten führt das dazu, dass Gemeindemitglieder plötzlich mit der Angst konfrontiert sind, morgen vor geschlossenen Türen zu stehen. Der Begriff Zusammenwachsen scheint mir in unserer derzeitigen Situation eher negativ belastet zu sein, weil er bedeutet, auf allen Ebenen Liebgewonnenes teilen – ja vielleicht sogar ganz hergeben zu müssen. Gottesdienstzeiten und Gottesdienstorte stehen auf dem Prüfstand. Es wäre möglich, dass der Ort, den ich mit aufgebaut habe, den ich durch Spenden oder das Mitfeiern der Gottesdienste und der Gemeindefeste zu meiner inneren Heimat rechne, plötzlich anderweitig genutzt werden muss.


Eine wichtige Aufgabe in diesem Prozess wird sicher sein, Trauer, Wut und Angst nicht in sich hineinzufressen oder sie wie Waffen gegeneinander einzusetzen, sondern den Emotionen respektvoll Raum zu geben, um nicht in der Trauer zu erstarren, sondern in guter Weise miteinander und aneinander zu wachsen.


Der Begriff des Wachsens ist ein beliebter Begriff in der Bibel. Er kommt sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament vor und ist eigentlich ein Bild aus dem Ackerbau. Das Hauptaugenmerk liegt hier primär auf der quantitativen und qualitativen Vermehrung des Saatguts bis zur Ernte. Täglich haben die Menschen des Alten Testamentes diese Bilder vor Augen, ihr Leben und ihre Feste orientieren sich an Aussaat und Ernte. So ist im Übertragenen Sinn auch die Vermehrung der Sippen ein Zeichen für Gottes Beistand und Segen. Sagt doch Gott dem Abraham zu, ihn zu einer großen Sippe zu machen und ihn in das gelobte Land zu führen (vgl. Gen 12, 1+2).ii 


In den Gleichnissen Jesu wird der Begriff „wachsen“ etwas pointierter verwendet. Denn hier dient er auch der Ermutigung: Wenn gesät ist, ist das Wachstum nicht aufzuhalten. Es liegt nur bedingt in der Hand des Menschen. Gott lässt wachsen, während der Mensch nur abwarten kann (vgl. Mk 4, 26-29). Diese Botschaft scheint mir gerade heute für die Gemeinschaft der Gläubigen wichtig zu sein angesichts der Erfahrung, dass vieles von dem, was gesät wurde und wird, nicht aufzugehen scheint: Neue Gottesdienstformen werden nur bedingt wahrgenommen, Begegnungs- und Gesprächsangebote außerhalb kirchlicher Einrichtungen finden nur wenig Resonanz, die Glaubensweitergabe in den Familien gestaltet sich zunehmend schwieriger. Das Gleichnis ruft ins Gedächtnis, dass es letztlich Gott selbst ist, der den Erfolg des Wachstums in den Händen hält, wo die Grenzen des Menschen erreicht sind. Es ist sein schöpferischer Geist, der wachsen und reifen lässt.  


Trotzdem darf der Mensch nicht die Hände gänzlich in den Schoß legen. Dies betont der Apostel Paulus in seinen Briefen und nimmt auch die Gemeindemitglieder in die Pflicht. Auch sie haben ihren Anteil daran, ob das Reich Gottes wächst oder nicht. Dabei zählt auf der einen Seite die Ausbreitung des Evangeliums, auf der anderen Seite aber auch und gerade die persönliche Lebensgestaltung aus dem Glauben und der Liebe heraus ( vgl. Eph 4, 15; Kol 1, 10). 


Gerade dieser paulinische Ansatz bringt meines Erachtens aber das ursprüngliche, vom Ackerbau geprägte – Bild des Wachstums an eine Grenze. Es würde bedeuten, dass der Same selbst dafür verantwortlich ist, zu wachsen und Frucht zu bringen. Das steht aber naturgemäß nicht in seiner Macht. Er kann doch nicht mehr, als - einmal gesät - in der Erde zu ruhen und zu warten, was passiert. Oder? Für paulinische Theologie ist eines klar: Wie im Samen, so ist auch im Getauften durch die Geistesgabe schon alles vorgebildet, was er braucht, um zu wachsen und Frucht zu bringen. Dem Samenkorn ist ein bestimmter Ablauf eigen, der im Wesentlichen unveränderbar ist: Zunächst sichert es die Grundversorgung durch die Wurzel, dann treibt der Keim dem Licht entgegen. Hindernisse kann es getrieben durch den Durst nach Wasser oder Licht überwinden. Ein Löwenzahn kann um des Lichtes willen sogar die Betondecke einer Straße sprengen. Dennoch wird aus dem Samen genau die Pflanze wachsen, deren Bauplan im Erbgut festgelegt ist. Für die Getauften stellt sich das oft deutlich schwieriger dar: Das Bild von Kirche, in dem viele von uns – auch ich – aufgewachsen sind, verändert sich, Volkskirche stirbt. Heute muss ich rückblickend sagen, dass ich vieles, was mir früher wichtig war, was für mich „Heimat“ bedeutete, in meiner Gemeinde nicht mehr leben kann, ja, zum Teil selbst abgeschafft habe, weil es hier und heute nicht mehr die Formen der Glaubenden sind. Was aber ist mit denen, die durch diese Veränderungen ihre innere Heimat verlieren? Was kann ich selbst tun, wenn mein inneres Bild von Kirche nicht mehr vorkommt? Eine Frage, der sich schon die Apostel ausgesetzt sahen. Sie waren im Judentum aufgewachsen und beheimatet. Sie hatten keine Ahnung, wie Kirche funktioniert. Am Anfang reichte es, zu den Heiligen Stätten zu gehen und immer wieder zu erzählen, was in ihren Herzen brannte. Aber angesichts von Expansion, Verfolgungen, Meinungsverschiedenheiten untereinander und dem Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen haben sie schnell lernen müssen: Es reicht nicht, bei dem zu bleiben, was wir kennen und lieben, womit wir aufgewachsen sind. Das innere Bild von Kirche muss sich stets verwandeln! So wählten sie Menschen aus und übertrugen ihnen die verschiedensten Dienste zum Aufbau der Gemeinde, jeder nach seinen Fähigkeiten (vgl. Apg 6, 1-7). iii Ganz offen gingen die Apostel immer wieder ins Gebet und der Hl. Geist zeigte ihnen, dass er selbst die Lebenskraft der Kirche - des Leib Christi - ist. In jedem Glied ist er und wirkt auf andere Weise, sodass auch jeder Glaubende in seiner Weise besonders beauftragt und befähigt ist am Aufbau des Gottesreiches heute und hier mitzuwirken. In diesem Sinne bedeutet zusammenwachsen nicht mehr Angst zu haben, dass mir der Mitwachsende meinen Platz streitig macht, mir das Licht abgräbt, sondern dass er mir zur echten Stütze und Bereicherung werden kann. Nicht mehr in Konkurrenz, sondern in Symbiose.  


Ich denke, dass wir gut daran tun, uns dieses innere Bild der Apostel von der geistgeführten Kirche, vor allem aber ihre Offenheit und ihr Ringen im gemeinsamen Gebet, zu eigen zu machen, damit wir wie das Samenkorn auch in scheinbar dunkler Zeit das Licht Gottes erahnen, dass unauslöschlich über uns strahlt, seine Gegenwart entdecken, auch wenn sie noch so kurz in unseren Alltag hereinbricht, die Wärme wahrnehmen, die es in ernstgemeinten und offenen Begegnungen hinterlassen hat. Schon bei der Taufe bekamen wir den Auftrag: Du sollst als Kind des Lichtes leben und dich im Glauben bewähren. In jeder Heiligen Messe beten wir im Hochgebet darum, dass wir diesen Auftrag nicht losgelöst - nicht jeder für sich - erfüllen, sondern dies in jener Einheit tun, die uns der Geist schenken kann, wenn wir selbst uns zu seinem Werkzeug machen. iv 


Was bedeutet das nun ganz konkret? 


Mir ist aufgefallen, wie wenig wir voneinander wissen. Welche Kirchorte gibt es? v Welche Angebote gibt es in meiner Pfarrei, in den anderen Pfarreien? Wer gehört aktuell zu welcher Pfarrei? Ein erster Schritt ist denke ich das gegenseitige Besuchen und sich informieren. Lesen Sie doch einmal den Pfarrbrief anderer Pfarreien. Gehen Sie selbst einmal auf Kirchentournee: Besuchen Sie die Gotteshäuser, sprechen Sie ein Gebet für die Gemeinden, feiern Sie dort den Gottesdienst mit in der Verschiedenheit der örtlichen Gegebenheiten. Verabreden Sie sich zum Besuch eines Kirchenfestes. Sprechen Sie auch in der eigenen Gemeinde einmal Menschen nach dem Gottesdienst an, die Ihnen nicht bekannt sind (Guten Tag. Schön, dass Sie da sind. Wo kommen Sie her? usw.).  


Schauen Sie sich Ihr inneres Bild von Kirche an und überlegen Sie, was Ihnen im Glaubensleben wichtig ist: Was gibt mir Halt? Welche Gottesdienstform pflege ich, welche würde ich gern einmal ausprobieren? Wie lebe ich Glaube im Alltag? Was ist meine besondere Gabe für die Gemeinschaft? Was bräuchte es, damit ich Sie fruchtbringend einbringen kann? Was ist mein inneres Bild von Kirche 2.0? 



i In der Pfarrei St. Jakobus finden sich an den Werktagen in der Paulskirche zwischen 2-12 Mitfeiernde ein. In der Heilig-Geist-Kirche sind es in der Regel 10-15 Mitfeiernde. Zu den beiden Sonntagsmessen kommen ohne besonderen Anlass insgesamt etwa 180-230 Menschen zusammen.

ii Schon in der Abrahamserzählung kommt es zu Konflikten. Abraham und sein Neffe Lot trennen sich, Lot wählt für sein Gefolge den komfortablen Weg. Als das Gottesgericht droht, springt Abraham für ihn in die Bresche. Für uns die Erinnerung daran, den, der jetzt nicht mitgehen kann nicht für immer abzuschreiben, sondern ihn als Bruder / Schwester im Herzen zu behalten und im Gebet verbunden zu bleiben. 

iii Auch Mose hat schon auf Anraten seines Schwiegervaters Helfer für den Dienst am Gottesvolk eingesetzt, vgl. Ex 18, 13-26  

iv Vgl. z.B. zweites Hochgebet: „Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist“ 

v   „Kirchorte“ sind Orte, wo Glaube gelebt wird: Kirchen, Gemeindehäuser, Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäuser, usw. 

 

Taufen

An jedem 1. Sonntag im Monat finden um 12:00 Uhr Taufen statt. Die Taufgespräche sind am Mittwoch vor der Taufe um 19:00 Uhr im Pfarrbüro.


Wenn Sie Ihr Kind taufen lassen möchten, melden Sie sich bitte für einen Termin im Pfarrbüro.

 

Kirchencafé

An jedem 4. Sonntag im Monat gestaltet der Pfarrgemeinderat im Anschluss an den Gottesdienst im Pfarrsaal des Dechant-Diel-Hauses ein Kirchencafé. Dort haben Sie die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen sowie an Getränken und kleinen Speisen zu stärken.

Herzliche Einladung!

 

Mittagsgebet

  • Innehalten
  • Zur Ruhe kommen
  • Auf Gott hören
  • Mit Gott sprechen

Herzliche Einladung 

jeden Mittwoch

von 12:05 Uhr - 12:15 Uhr

in der Stadtpfarrkirche